Kyudo (Kyu = Bogen, Do = Weg) ist eine der klassischen japanischen Kampfkünste, die sich aus den Waffentechniken der Samurai entwickelt haben.
Mit der Einführung der Feuerwaffen und ihrer in den folgenden Jahrzehnten schnell zunehmenden Anwendung in der Kriegsführung verlor der Bogen seine zentrale militärische Bedeutung als Kriegswaffe. Der Bogen wurde fast nur noch zur Jagd, für Sport und höfische Zeremonien verwendet.

Nagakiyo

Die Ausbildung der Samurai umfasste jedoch weiterhin alle traditionellen Kampfkünste und so blieben die Einsichten, die über Jahrhunderte im Kyûjutsu auf dem Schlachtfeld gewonnen worden waren, erhalten. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wurde das Kyûjutsu als erste Kriegskunst zu einem Übungsweg der Samurai.

Um 1660 wurde dann der Begriff Kyudo geprägt, der heute allgemein verwendet wird. Im Laufe der Zeit wurde Kyûjutsu bzw. Kyudo vor dem Hintergrund verschiedener weltanschaulicher Strömungen (Shintô, Zen, Neokonfuzianismus) interpretiert und von ihnen beeinflußt. Verschiedene Stilrichtungen haben sich so entwickelt, die sich in unterschiedlichen Schulen (Ryû) mit eigener Schießtechnik bis heute erhalten haben.
Geübt wird mit dem ca. 2,20 m langen japanischen Langbogen. Weitere äußerliche Besonderheiten sind die traditionelle Kleidung und die zeremoniellen Bewegungsformen für Demonstrationen, Prüfungen und Meisterschaften.

Über acht genau festgelegte Bewegungsphasen müssen Körperhaltung und −spannung präzise koordiniert werden. Diese Bewegungsabläufe zu beherrschen und zu verfeinern ist das Ziel des Übens. Objektives Kriterium dafür ist das "Treffen durch eine korrekte Schießtechnik". Wettkämpfe und Graduierungen dienen dabei der Überprüfung des erreichten Niveaus.
Im Laufe der Zeit lernt man, kontinuierliches Training vorausgesetzt, Aufmerksamkeit, Konzentration und innere Ruhe, ohne die Kyudo nicht denkbar ist. Mit den eigenen Fortschritten auf dem Weg des Bogens wächst die Freude an der Kunst des Bogenschießens, die dann auch für den außen stehenden Betrachter in der ästhetischen Darstellung, Ausstrahlung und dem Trefferergebnis sichtbar wird.